Gewachsene Strukturen

Evergreens und andere Publikumslieblinge

Früher war Buchs der unangefochtene immergrüne Favorit, heute ist er zum Sorgenkind geworden. In Anlagen in ganz Europa sind die Auswirkungen sichtbar. Entweder setzt der Zünsler dem Buchs zu oder der berüchtigte Pilz (Cylindrocladium buxicola) greift ihn an. Aus vielen Privatgärten ist der einstige Alleskönner deshalb schon verschwunden. Wer seinen Buchs behalten hat, beäugt ihn in jeder Saison misstrauisch und schützt ihn, so gut er kann, indem er spritzt. Wer nichts tut, riskiert den Verlust.

Schäden durch den Buchsbaumzünsler in einem Park

Schäden durch den Buchsbaumzünsler in einem Park


Schäden durch den Buchsbaumzünsler aus der Nähe

Schäden durch den Buchsbaumzünsler aus der Nähe

Die Verantwortlichen in Schlossgärten und anderen historischen Parkanlagen kennen das Problem nur zu gut. Sie müssen besonders erfinderisch und konsequent vorgehen. Denn anders als Hobbygärtner können sie den Buchs nicht einfach ersatzlos streichen. Zu viele historische Gestaltungselemente hängen von ihm ab, und genau die gilt es schließlich zu erhalten. Für Formschnitt-Elemente und Einfassungen war Buchs jahrhundertelang die erste Wahl. So bildet er gerade in barocken Anlagen gewissermaßen das Rückgrat des Gartens.

Zünslerpech

Helmut Krupp, der Gartenmeister in der historischen Park- und Gartenanlage des Schloss Schwetzingen, arbeitet für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Er weiß, was es heißt, buchstäblich gewachsene historische Strukturen zu pflegen und zu bewahren. Die gefürchteten Raupen kennt er gut, trotzdem winkt er schon fast gelassen ab. „Den Zünsler haben wir mittlerweile im Griff“, sagt er. Aber im Unterschied zu früher, sind die einzelnen Pflanzen empfindlicher geworden. Ein bisschen wehmütig erinnert sich Krupp an frühere Zeiten, in denen er und seine Kollegen es etwas leichter hatten. „Mit Buchs konnte man immer alles machen“, sagt er, „wenn er mal nicht mehr klein zu halten war, hat man ihn eben ganz runtergeschnitten.“ Heute überlegt er sich solche Schritte gut.

Helmut Krupp, Schlosspark Schwetzingen

Helmut Krupp, Schlosspark Schwetzingen

Gegen den Zünsler geht er regelmäßig mit einem biologischen Präparat vor (auf Basis des Bazillus thuringensis). Das Mittel nimmt die Zünslerraupe beim Fressen auf. Die Wirkstoffe perforieren ihre Darmwand und sie geht ein. Damit lassen sich die Schwetzinger Buchsbestände schon acht Jahre lang recht gut erhalten. Leider hilft das Präparat nicht gegen den Pilz. Der greift hier noch nicht so vernichtend um sich, aber die Gefahr bleibt bestehen.

Trockenübungen

Obendrein ist der Buchs nicht das einzige Sorgenkind, das Helmut Krupp etwas Kopfschmerzen bereitet. Auch die alten Bäume beäugt er skeptisch. Auch wenn es 2021 viele Niederschläge gegeben hat, ist klar, dass viele Buchen und Eichen extrem trockene Sommer wie in den letzten Jahren nicht mehr verkraften. Besonders bei Buchen ist die Lage kritisch. „Die können von jetzt auf nachher einfach absterben.“ Zwar suchen Fachleute in ganz Europa nach Lösungen aus der Misere, aber noch herrscht etwas Ratlosigkeit unter den Dendrologen und Botanikern.

Versuche mit bestimmten Substraten und reichlich Wassergaben mildern die Situation und jeder kühle, feuchte Sommer verschafft den Bäumen Zeit zur Regeneration. Doch langfristig müssen Alternativen her. Am gärtnerischen Horizont tauchen auch schon Lichtblicke auf. So fassen Krupp und seine Kollegen zum Beispiel orientalische Buchen ins Auge, die Trockenzeiten besser wegstecken als unsere heimischen Arten. Aber noch gibt es keine verlässlichen Langzeitbeobachtungen. Bis die vorliegen, werden Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen.

In der Zwischenzeit sind Sachverstand und Umsicht die besten Verbündeten für Helmut Krupp und seine Kollegen. Dank der kompetenten Belegschaft und der sorgfältigen Betreuung finden Besucher in Schwetzingen immer noch eine blühende, üppige Gartenanlage vor. Die rund 500 Kübelpflanzen, darunter Massenblüher wie Bleiwurz und Wandelröschen, werden täglich gewässert und verleihen der Anlage den angemessenen floralen Glanz. Lorbeer, Hainbuchen und eben der Buchs werden penibel in Form gehalten, und die umfangreiche Zitrussammlung, die den Sommer über im Freien verbringt, wandert rechtzeitig vor Kälteeinbruch in die Orangerie zurück. So ist ein Spaziergang durch diese bedeutende Anlage heute ein Genuss, nicht nur für Gartenfreunde, und bleibt es hoffentlich auch in weiter Zukunft.

Was Sie für Ihren Buchs zu Hause tun können

Die BT-Präparate (auf Basis des Bazillus thuringensis) sind im Fachhandel erhältlich. Ob Sie spritzen müssen oder nicht, erkennen Sie an den Kotspuren der Raupen. Bei warmem Wetter kontrollieren: Sind braune Kotspuren am Buchs, droht keine Gefahr. Die stammen von der Vorsaison. Wenn Sie grüne Kotspuren entdecken, ist die Raupe aktiv. Dann wird es Zeit für die Spritzung.

In Schwetzingen wird übrigens nur die Einfassungsornamentik behandelt, die sehr hohen, alten Exemplare kommen ohne Schutz aus.